Gefährliche Liebschaften

Ich hatte mich auf einen ruhigen Theaterabend gefreut. Sonderlich überzeugt war ich von der Beschreibung des Stückes Gefährliche Liebschaften nicht. Es sollte um Liebe und Intrigen im Frankreich des 18. Jahrhunderts gehen. Das Stück basiert auf dem Briefroman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos von 1782.

Schauspielhaus Bochum

Doch im Nachhinein kann ich das Theaterstück wirklich empfehlen! Es lohnt sich und wer dazu die Möglichkeit hat, sollte es sich ansehen. Da aber viele von meinen Lesern nicht in Bochum oder der Umgebung wohnen, werde ich nun verraten, wie der Abend sich entwickelt hat.

Gemächlich fing die Vorstellung unter der Regie von Jan Neumann im Bochumer Schauspielhaus mit Tanz und Musik an. Die Kostüme waren im Barockstil ausladend und schick. Die Figuren verwendeten Alltagssprache, es wurde Grönemeyer nachgemacht und das Publikum angesprochen. Der Verführer Vicomte de Valmont wurde von Daniel Stock herrlich cool und witzig gespielt. Aber ehe das Stück im Gang war, wurde es unterbrochen. Daniel Stock trat vor das Publikum und erklärte, dass die Schauspielerin der Madame de Tourvel noch auf dem Weg nach Bochum sei und bei Düsseldorf im Zug festsitze. Madame de Tourvel, eine äußerst tugendhafte Ehefrau, soll in der Geschichte von Vicomte de Valmont verführt werden. Ehe sich irgendjemand aus dem Publikum nach draußen bewegt hatte, wo angeblich als Entschädigung ein Sekt wartete, kam Stock wieder auf die Bühne. Nun machte er eine vorgeblich private Ansage im Namen von Organgeschädigten, dass jeder sich einen Organspendeausweis zulegen solle. Anschließend kam ihm die Idee, dass eine Freiwillige aus dem Publikum für die fehlende Schauspielerin einspringen könne. Es meldete sich sogar eine Frau, dann aber sprach Stock eine Frau aus der 2. Reihe an, die ein Handy in der Hand hielt. Er empörte sich, dass sie im Theater filmte. Die Angesprochene verteidigte sich schüchtern, dass sie die Ansprache zu den Organspenden so gut fand und selbst jemanden kenne, der eins benötige. Schließlich überredete Stock die Frau quasi als Strafe auf die Bühne zu kommen und als Madame de Tourvel seinen Gegenpart zu übernehmen. Ich musste mich ein wenig zusammenreißen, um mich nicht einzumischen und zu rufen, dass doch die Frau, die sich freiwillig gemeldet hatte dies übernehmen könne. Die andere Frau mit dem Handy wirkte sehr perplex und unangenehm berührt, ging dann aber mit auf die Bühne und bekam Applaus. Mit dem Manuskript in der Hand las sie leise den Text der Madame de Tourvel, die abweisend auf die Avancen des Vicomtes reagiert.

Von da an entspann sich ein spannendes Spiel, welches solange man sich der Wahrheit nicht sicher war einen unruhig zugucken ließ. Der Vicomte de Valmont ließ die vorgebliche Zuschauerin nicht weggehen und überredete sie immer wieder aufs Neue auf der Bühne zu bleiben. Diese fühlte sich völlig unvorbereitet und von seinem Spiel bedrängt. Die erste Zeit des Stückes verfolgte ich dies alles sehr angespannt und erst nach der Pause war ich mir sicher, dass es sich bei der Zuschauerin auch um eine Schauspielerin handelte. Im Nachhinein kann ich also sagen, dass das Stück lustig und sehenswert ist. Währenddessen haben bei mir die Nerven allerdings ziemlich blank gelegen, da ich so mit der angeblichen Zuschauerin mitlitt.

Weitere Informationen findet ihr hier.

Nächster Termin: Di. 13.2. 19:30 Uhr im Schauspielhaus Bochum

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s